Sind Flachdächer die Dachform der Zukunft?

Ein Flachdach war in den vergangenen Jahrzehnten eher eine Ausnahme als eine Regel. Falls überhaupt, dann wurden Bungalows mit einem Flachdach gebaut, aber selbst hier war ein Sattel- oder Walmdach die Regel. Wie effektiv ein Flachdach sein kann, wussten schon die Gründer des Bauhauses. Sie entwarfen in den 1920er und 1930er Jahren Häuser mit einem flachen Dach, aber diese Architektur geriet wieder in Vergessenheit. Heute haben nicht nur Architekten diese Dachform wiederentdeckt und sehen in ihr eine sowohl ansprechende als auch nachhaltige Form des Daches.

Das Flachdach und seine Möglichkeiten

Ein Flachdach ist heute wieder eine gefragte Dachform im Bauwesen und kann bei fast allen Haustypen gebaut werden. Das flache Dach wird als eine geeignete Alternative zu den bekannten Steil- und Schrägdächern gesehen. Unterschieden wird hier in genutzte oder ungenutzte Dächer. Handelt es sich um die ungenutzte Form, dann dient das Dach nur zur Wartung. Das genutzte Flachdach hingegen bietet einige interessante Möglichkeiten.

So kann ein genutztes Flachdach komplett begrünt oder als Terrasse genutzt werden. Bepflanzungen aller Art sind auf diesem Dach möglich und wenn die Statik stimmt, kann auf dem sogar ein Pool seinen Platz finden.

Flachdächer sind nicht völlig flach

Richtig flach sind Flachdächer nicht. Wer genauer hinschaut, kann einen nur leichten Neigungswinkel von weniger als zehn Grad erkennen. Werden diese zehn Grad Neigungswinkel nicht überschritten, dann gilt das Dach noch als Flachdach. Sind es aber mehr als zehn Grad, dann ist von einem Schrägdach die Rede. Dieser relativ geringe Neigungswinkel beim Flachdach ist aber essenziell, denn ohne diesen Winkel könnte Regenwasser nicht abfließen. Es würde auf dem Dach stehenbleiben, und zwar so lange, bis es verdunstet ist.

Im schlimmsten Fall kann dies bedeuten, dass in das Material eindringt und es in der Folge zu einem Wasserschaden kommt. Demzufolge wird immer ein leichter Neigungswinkel eingebaut, damit das Dach wasserdicht bleibt.

Sind Flachdächer energieeffizient?

Warum werden gerade in der heutigen so viele Flachdächer gebaut? Aus einem einfachen Grund: Flache Dächer sind energieeffizient. Allerdings müssen hier einige wichtige Aspekte beachtet werden, wie beispielsweise die Dämmung des Daches. Für die Dämmung eines Flachdachs gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, aber auch hier gilt, wie bei allen anderen Dächern, die sogenannte Energiesparverordnung. Im Rahmen dieser Verordnung wird zwischen einem Warmdach, einem Kaltdach und einem Umkehrdach unterschieden.

Das Flachdach als Kaltdach

Der Begriff Kaltdach galt ursprünglich nur für das Flachdach, heute wird er auch für Schrägdächer verwendet. Für ein Kaltdach in Flachlage ist eine sehr gute Durchlüftung für die Wärmedämmung maßgebend. Hier liegt die Luftschicht quasi zwischen der sogenannten Dachhaut und der Wärmedämmung. Auf diese Weise können Schäden, die durch Feuchtigkeit entstehen, effektiv vermieden werden. Ein Kaltdach hat immer eine Luftschicht für die Entlüftung sowie für die Belüftung. Experten nennen diese Dachform daher auch zweischaliges oder belüftetes Dach. Bei einigen Häusern raten Fachleute jedoch von einem Flachdach ab, da es aus bauphysikalischer Sicht ein Problem werden könnte.

Wie wird ein Flachdach gedämmt?

Damit das Flachdach vor Witterungseinflüssen geschützt wird, muss es in einem aufwendigen Verfahren zuerst konstruiert und dann wasserdicht gebaut werden. Eine sehr wichtige Rolle spielt dabei die richtige Dämmung. Neben dem Kaltdach gibt es noch das beliebte Warmdach. Dabei handelt es sich um eine moderne Form der Dämmung, die keine kühlende Luftschicht mehr benötigt. Hier wird das Dämmmaterial, ähnlich wie bei einem Sandwich, zwischen der Raumdecke und der Abdichtung des Daches eingeschlossen. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass eine vollständige Wasserabdichtung gewährleistet werden kann. Ist dies nicht der Fall, kann sich schnell Schimmel bilden oder die Dämmung nimmt großen . Entscheidend für eine wirklich gute Dämmung sind in jedem Fall die verwendeten Materialien.

Dazu gehören:

  • Styropor
  • XPS
  • Polyurethan-Hartschaum
  • Schaumglas
  • EPS
  • Mineralwolle

Welche Vorteile hat ein Flachdach?

Ein Flachdach hat eine Reihe von Vorteilen. Es kann beispielsweise als schicke Dachterrasse dienen und so die Erweiterung des Grundstücks ermöglichen. Die Begrünung eines Flachdachs trägt zur Verbesserung des Lebensumfelds bei und ist eine tolle Alternative zu einem Garten. Auf einem flachen Dach können sogar Photovoltaikanlagen  problemlos installiert werden. Wer ein Flachdach mit Lichtkugeln plant, bekommt in den Innenräumen mehr Licht.

Soll der Wohnraum vielleicht aufgestockt werden, dann ist das beim Flachdach einfach möglich. Besonders schätzen viele Bauherren jedoch, dass eine aufwendige Dachkonstruktion mit einem entsprechenden Dachstuhl nicht notwendig ist. Ein flaches Dach ist immer deutlich leichter als ein klassisches Sattel- oder Walmdach. Das Dach sorgt außerdem für mehr Wohnraum, weil die Dachschräge in der oberen Etage entfällt.

Welche Nachteile gibt es?

Wer sich beim Bau seines Hauses für ein Flachdach entscheidet, sollte sich im Vorfeld auch über die Nachteile informieren. So sind Flachdächer weniger haltbar und belastbar, wie es bei Schrägdächern der Fall ist, insbesondere Schneelasten und Feuchtigkeit stellen eine große Herausforderung dar. Hausbesitzer müssen daher ihr Dach häufiger inspizieren, was wiederum einen höheren Aufwand an Wartung nötig macht. Zudem fehlt im Haus oftmals wichtiger Stauraum, da es keinen Dachboden gibt, auch die notwendige Abdichtung kann sich negativ auf die Umwelt auswirken. Dies ist vor allem der Fall, wenn sogenanntes Erdpech, auch bekannt als Bitumen, zum Einsatz kommt.

Die strengen Auflagen

Alle, die ein Haus mit Flachdach bauen wollen, müssen mit strengeren Auflagen vonseiten der Behörden rechnen. Deshalb ist es immer wichtig, sich schon im Vorfeld, vielleicht von einem erfahrenen Architekten, professionell beraten zu lassen. Vor- und Nachteile sollten sehr sorgfältig gegeneinander aufgewogen werden, erst dann kann eine objektive Entscheidung fallen. Wichtig ist es zudem, vorher mit dem zuständigen Bauamt zu sprechen, ob ein Flachdach überhaupt erlaubt ist.

Fazit

Aktuell ist das Flachdach auf einem Haus ein echter Hingucker. Da sich aus technischer Sicht an der Konstruktion dieses Daches einiges geändert hat, muss heute niemand mehr mit einem schlechten Gewissen diese Dachform wählen. Die Baumaterialien und die Baustoffe, die in der heutigen Zeit zur Verfügung stehen, sorgen dafür, dass das Flachdach immer ausreichend abgedichtet ist. Außerdem beugen regelmäßige Wartungen möglichen Schäden vor. Ein professionell hergestelltes Flachdach ist immer ein Garant dafür, dass keine gravierenden Bauschäden entstehen können. In der Regel bieten die Hersteller ihren Kunden eine 20 bis 30 Jahre lange Wasserdichtigkeitsgarantie. Wird das Dach dann noch regelmäßig gewartet, erhöht sich die Garantiezeit sogar bis auf 40 Jahre.

Bild: @ depositphotos.com / dropthepress@gmail.com

Sind Flachdächer die Dachform der Zukunft?
Tommy Weber