Plötzlich im Ruhestand und was nun?

Plötzlich im Ruhestand und was nun?

Viele Menschen kennen das Datum, an dem sie aus dem Berufsleben ausscheiden, aber was ist mit denen, die plötzlich aus dem Arbeitsleben gerissen werden? Eine Krankheit, beispielsweise ein Herzinfarkt, kann das Berufsleben von heute auf morgen beenden. Was kommt, ist der Ruhestand und mit ihm stehen neue Herausforderungen an. Der plötzliche Ruhestand wird in vielen Fällen von einem Schock für den Körper und die Seele begleitet. Viele Rentner fühlen sich vom Leben abgeschnitten und schlittern in eine Krise.

Was hier hilft, sind neue Perspektiven, nicht aufgeben und den neuen Lebensabschnitt sehen.

Der Alltag wird auf den Kopf gestellt

Jeder, der den Film „Pappa ante portas“ von und mit Loriot gesehen hat, kennt auch den genialen Dialog zwischen Herrn Lohse und seiner Frau. Er bringt den plötzlichen Ruhestand auf den Punkt: „Was machst du hier?“ – „Ich wohne hier.“ – „Aber doch nicht um diese Zeit!“ So wie den Lohses geht es vielen Ehepaaren, wenn der Partner plötzlich nicht mehr wie gewohnt zur Arbeit geht. Der ganze Alltag gerät zunächst einmal durcheinander. Der Alltag zu Hause ist eingespielt, er folgt einem bestimmten Zeitplan, der jetzt vollkommen aus dem Takt gerät. Ruheständler müssen zuerst damit klarkommen, dass ihr Alltag eine völlig neue Struktur hat. Bisher war es die Arbeit, die für Sicherheit und Struktur gesorgt hat, aber ohne Arbeit fehlt der Sinn.

Eine neue Aufgabe finden

Wer keine Aufgaben mehr hat, fällt schnell in ein sehr tiefes Loch. Der Tag dehnt sich endlos und es macht sich ebenso schnell Langeweile breit. Hier heißt es aktiv werden, beispielsweise durch sportliche Betätigungen. Eine Radtour oder ein langer Spaziergang sind nicht nur sehr , sie lenken zudem ab und bringen auf andere Gedanken. Viele, die nach einer Krankheit frühzeitig in Rente gehen, entdecken die Gartenarbeit für sich, andere knüpfen im Internet neue Kontakte. Alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen, ist keine schlechte Idee und wer sich gerne um die Enkelkinder kümmert, entlastet auf diese Weise die eigenen Kinder.

Viele Frührentner entdecken außerdem das Reisen für sich. Sie kaufen sich einen Camper und suchen sich die schönsten Orte aus. Natürlich kommt es immer darauf an, in welcher gesundheitlichen Verfassung der jeweilige Ruheständler ist. Vielfach sind Unternehmungen, wie beispielsweise Reisen, nicht mehr ohne Probleme möglich. Hier kann es hilfreich sein, mit dem behandelnden zu sprechen, welche Art von Freizeitbeschäftigung überhaupt infrage kommt.

Sich zurückziehen ist der falsche Weg

Viele, die ohne Vorwarnung aus dem Arbeitsleben gerissen werden, hadern mit ihrem Schicksal. Sie fühlen sich von einem auf den anderen Tag alt und zugleich nutzlos. In der Folge ziehen sie sich zurück, grübeln zu viel und bemitleiden sich nicht selten selbst. Jeder sollte sich klarmachen, dass eine solche Situation immer eine besondere Herausforderung darstellt, die gemeistert werden muss. Den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, ist immer einfach, sich mit den neuen Lebensumständen auseinanderzusetzen, jedoch nicht immer. Sicher kann es am Anfang noch Probleme geben, aber diese lassen sich auch mit der Hilfe der überwinden.

Keiner sollte zu stolz sein, Hilfe anzunehmen, es können viele konstruktive Vorschläge dabei sein, wie der Ruhestand zu einem erfüllten Alltag wird. Soziale Isolation kann für die schnell sehr schädlich werden und das Risiko, wieder schwer zu erkranken, deutlich erhöhen. Wer sich einsam fühlt, setzt sich negativem aus. Diejenigen, die plötzlich in den Ruhestand gehen, sollten so etwas nach Möglichkeit vermeiden.

Die Beziehung muss sich anpassen

Nicht nur der Rentner muss mit der neuen Situation zurechtkommen, das Gleiche trifft auf die Ehepartnerin oder den Ehepartner zu. Dass das Ganze vor allem am Anfang Schwierigkeiten mit sich bringt, wird bei „Pappa ante portas“ sehr deutlich. Hier ist es eine Komödie, in der von Herzen gelacht werden darf, der Alltag hingegen ist oftmals nicht immer so lustig. Der Prototyp des ewig nörgelnden Rentners bekommt in vielen Beziehungen wieder eine ganz neue Bedeutung. Ist die Ehefrau den ganzen Tag zu Hause, dann kann es schnell zu Streitigkeiten kommen. Sie hat ihren gewohnten Tagesablauf, an dem der Ehemann im Ruhestand gerne beteiligt werden möchte.

Wenn die Eheleute nicht im Dauerstreit leben möchten, muss die der neuen Lebenssituation angepasst werden: Beide müssen aufeinander zugehen und zugleich bereit sein, Kompromisse zu machen. Bis sich die neuen Rollen in der Beziehung etabliert haben, kann es aber dauern.

Kann man sich auf die Rente vorbereiten?

Gegenüber denjenigen, die noch vor 50 Jahren in Rente gegangen sind, haben die Ruheständler von heute einen großen Vorteil: Sie sind deutlich fitter und haben mehr . Wer den Rentenbeginn vor Augen hat, ist gut beraten, sich schon einmal auf die Zeit nach dem Berufsleben vorzubereiten. Vielleicht lässt sich mit einem späten Frühstück ein lang gehegter Wunsch erfüllen, vielleicht ist es aber nur der Mittagsschlaf, für den jetzt endlich Zeit bleibt. Wichtig ist es, in die Pläne für die Zeit im Ruhestand eine Struktur einzuplanen, denn sonst kommt es zu Verdruss und Eintönigkeit.

Für welches war nie richtig Zeit? Jetzt im Ruhestand ist reichlich Zeit vorhanden, sich diesem Hobby zu widmen. Bewegung ist wichtig, sie sollte unbedingt im Tagesplan integriert werden. Wer geistig und körperlich noch lange gesund bleiben möchte, muss sich selbst fordern, was am besten mit einem gut durchdachten Plan funktioniert.

Dem Alter vorbeugen

Alt zu werden ist das Ziel der meisten Menschen, alt zu sein, will jedoch keiner so richtig. Das Alter sollte aber nichts sein, was macht, sondern als eine Art Chance gesehen werden. Das letzte Drittel des Lebens kann in einer neuen Aufgabe Erfüllung finden. Wer sich beispielsweise ehrenamtlich betätigt, findet eine Aufgabe, die ihn ausfüllt und zudem noch Spaß macht. Viele karitative Organisationen freuen sich besonders über Menschen, die helfen wollen und älter sind, denn sie bringen Lebenserfahrung mit und behalten in stressigen Situationen leichter die Nerven. Ein selbstbestimmtes Ehrenamt vielleicht bei einer der vielen Tafeln oder in einer Kindertagesstätte, bei der Hausaufgabenbetreuung oder als Ansprechpartner bei den Sozialverbänden – für Ruheständler gibt es immer etwas zu tun.

Mit einem solchen Ehrenamt lässt sich dem körperlichen sowie dem geistigen Altern effektiv vorbeugen, denn wer etwas zu tun hat, hat gar keine Zeit, sich über das Alter Gedanken zu machen.

Bild: @ depositphotos.com / SeventyFour

Tommy Weber