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Lohnt es sich, alkoholfreien Wein zu kaufen?

Lohnt es sich, alkoholfreien Wein zu kaufen?

Bier ohne Alkohol ist mittlerweile Standard, aber wie sieht es mit aus, der keinen Alkohol mehr enthält? Nicht jeder, der gerne mal ein Glas Wein trinkt, möchte dies auch mit Alkohol verbinden. Andere dürfen keinen Alkohol trinken und möchten auf ein Glas Rotwein oder Weißwein trotzdem nicht verzichten. Dass die Zahl der alkoholfreien Weine und Sekte stetig ansteigt, ist also nicht weiter überraschend. Wein ohne Alkohol klingt nach einer vernünftigen Lösung, selbst wenn echte Weinkenner jetzt vielleicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Wie schmeckt der alkoholfreie Wein eigentlich und lohnt es sich, eine Flasche zu kaufen? Gibt es etwas, was diesen Wein so anders macht und kann der Wein mit null Promille sogar einen Weinliebhaber überzeugen?

Wie aromatisch ist alkoholfreier Wein?

Wein und Sekt, die keinen Alkohol mehr enthalten, sind zu schicken Lifestyle Produkten geworden, die fleißig beworben werden. In der Werbung schlürfen schlanke und gut gelaunte Menschen bei Sonnenuntergang ihren Sekt und steigen anschließend ebenso gut gelaunt in ihr Auto. Wer sich kundig macht, stößt vor allem im Internet auf Winzer, die sich inzwischen auf alkoholfreie Sekte und Weine spezialisiert haben und so mit der gehen. Was ist dran am Genuss ohne Reue und vor allem ohne Promille?

Wein lebt vor allem von seinem breit gefächerten Aroma, was vom Geschmack nach Beeren, über Vanille bis zu einem leicht erdigen reicht. Kann der alkoholfreie Wein da mithalten? Leider nicht, wie viele Sommeliers bekunden. Alkohol ist ein Geschmacksträger und wenn der Alkohol fehlt, wird der Wein schnell zu einer Enttäuschung. Der erste Eindruck: Er hat zwar ein gewisses Aroma, aber leider schmeckt er etwas langweilig. Der Wein fühlt sich auf der Zunge nicht mehr so angenehm an und auch der Duft ist nicht immer einladend.

Die Rebsorten spielen eine sehr wichtige Rolle

Die Menschen in Deutschland leben immer gesundheitsbewusster, was die Bierbrauer ebenso wie die Winzer merken. Alkoholfreies Bier ist inzwischen ein echter Verkaufshit, der Wein versucht gleichzuziehen, aber hier fehlt doch noch einiges zum Erfolg. Für den alkoholfreien Wein spielt die richtige Rebsorte die vielleicht wichtigste Rolle. Zugleich sind neue Techniken entstanden, mit denen die Winzer einen möglichst schmackhaften Wein herstellen können. Rebsorten wie beispielsweise ein Cabernet Sauvignon, ein Muskattrollinger oder ein Merlot haben ein sehr intensives Aroma und von diesen Aromen bleiben beim Prozess der Entalkoholisierung noch viele natürliche Aromen erhalten. Eine Rebsorte wie der Dornfelder, der Schwarzriesling oder der Weißburgunder sind weniger gut geeignet, denn sie haben weniger Aromen und sind deutlich empfindlicher.

Noch ist der Anteil der alkoholfreien Weine auf dem Markt überschaubar. Dies mag daran liegen, dass die Weine auch rund 20 Prozent ihrer Aromen verlieren, wenn ihnen der Alkohol entzogen wird. Damit geht neben der Dichtigkeit und Viskosität vor allem der des Weines verloren. Es gibt nur sehr wenige alkoholfreie Weine, die den Verbraucher an die Weine erinnern, in denen Alkohol enthalten ist.

Keine neue Idee

Die Methoden, dem Wein den Alkohol zu entziehen, sind sehr schonend und zugleich nicht neu. Bereits von mehr als 100 Jahren kam Carl Jung, ein Winzer aus dem Rheingau, auf die Idee, seinem Wein mit der Hilfe von Unterdruck den Alkohol zu entziehen. Je niedriger der Druck bei diesem Prozess ist, desto niedriger ist später auch der Siedepunkt des Alkohols. Wein verdampft bereits bei einer Temperatur zwischen 28 und 30° Grad. Trotzdem gehen selbst bei diesen Temperaturen noch zu viele Aromen verloren. Aufgrund dessen fällt das Urteil der meisten Sommeliers auch eher enttäuschend aus. Auf dem klassischen Weinaromarad kommen die klassischen Websorten leider nicht sehr weit.

Dieses Weinaromarad wurde als Hilfsmittel vom Deutschen Weininstitut für die Verbraucher entwickelt. Damit lassen sich die Aromen der Weine sensorisch beschreiben, jedoch leider nur für Weine, die Alkohol enthalten. Die Aromen der alkoholfreien Weine lassen sich nicht mit den Weinen vergleichen, die Alkohol enthalten.

Das Beispiel Riesling

Einer der beliebtesten Weine in Deutschland ist der Riesling. Bei einem klassischen Riesling dominieren Aromen wie der Apfel, der Pfirsich, die Grapefruit, die Aprikose, die Orange, die Quitte, die Ananas oder die exotische Mango. Vor allem, wenn die Trauben für den Riesling wirklich voll ausgereift waren, entsteht ein sehr saftiges Pfirsicharoma. Wird einem der typischen Riesling Weine jedoch der Alkohol entzogen, dann beschränkt sich der Wein auf das sogenannte „Vegetabile“, was heißt: Der beliebte Riesling schmeckt entfernt nach grüner Paprika oder nach Gras. So etwas ist nicht unbedingt ein Kompliment für einen eigentlich großen Wein.

Der Riesling ist nicht der einzige Wein, dem bei Entzug des Alkohols das Aroma und damit sein Charakter entzogen wird. Es gibt noch andere Beispiele, die zeigen, wie schwer es ist, einen Wein ohne Alkohol, aber mit viel Geschmack herzustellen.

Wie sieht es mit Sekt und Rotwein aus?

Sekt lässt sich ebenfalls ohne Alkohol herstellen und er genießt einen noch höheren Bekanntheitsgrad als der alkoholfreie Wein. Sekt ist ein für besondere Anlässe und zum Anstoßen, deshalb sollte er etwas ganz Besonderes sein. Nach Meinung von Kennern schmecken viele alkoholfreien Sektsorten jedoch langweilig. Vielfach ist der Geschmack fade, der Sekt prickelt nicht angenehm auf der Zunge und die Kohlensäure ist sofort verschwunden, wenn der Sekt in ein Glas gegossen wird. Vielen Sorten attestieren die Kenner einen Geschmack wie „Spülmittel“, andere Sorten schäumen zu arg im Mund.

Beim Thema Rotwein sind die Testberichte der Weinkenner genauso enttäuschend. Viele Weine riechen muffig und erinnern beim Trinken eher an Traubensaft. Vor allem die Rotweine verlieren ihre Raffinesse, ihr einzigartiges Aroma und haben nicht selten eine Süße, die an Süßstoff erinnert, auch nicht überzeugen können bekannte Rebsorten, wie etwa ein roter Cabernet Sauvignon oder ein Bitterfelder Cuvée rot.

Dann lieber Traubensaft

Im Unterschied zum alkoholfreien Bier ist Wein ohne Alkohol recht teuer. Günstiger ist es beispielsweise, ein Glas Traubensaft mit Mineralwasser aufzufüllen, um damit anzustoßen. Sehr lecker, ganz ohne Alkohol und sehr erfrischend ist zudem ein sprudelndes Mineralwasser mit Holunderblütensirup, dekoriert mit frischer Minze. Es gibt viele Alternativen zu alkoholfreiem Wein und es lohnt sich, eines der vielen leckeren Getränkerezepte auszuprobieren, die ohne Wein auskommen. Weine, die ohne Alkohol gut schmecken, gibt es bestimmt, aber es kann dauern, solche Weine zu finden.

Bild: @ depositphotos.com / fizkes

Tommy Weber