Kopf-Relaunch: Intern

In nahezu acht Jahren Selbstständigkeit als Webdesigner kommen so einige Neugestaltungen der eigenen Website zusammen. Gerade auch, weil man einen hohen Anspruch an sich selbst hat – man ist ja schließlich vom Fach und muss glänzen. Vor Kunden, Kollegen und Konkurrenten. Und natürlich will man sich ein bisschen austoben, dass ausprobieren, was man bei seinen Kunden nie machen durfte oder konnte. Ein wenig ist auch dieser Relaunch so. Natürlich ist alles neu, technische Spielereien, HTML5 und so. Aber vor allem ist alles anders. Es ist ein Kopf-Relaunch.

Um zu erklären was ich meine, muss ich etwas ausholen: Als ich mich damals noch während meiner Schulzeit selbstständig gemacht habe, hat man natürlich richtig dick aufgetragen. Schön einen auf dicke Hose gemacht. Seitenlange AGBs – zusammenkopiert von den größten der Branche – , unglaublich klingende Leistungsbeschreibungen und die permanente Verwendung solch schöner Floskeln wie “Wir sind immer für Sie da”. Eigentlich war da aber nur ich und das auch erst ab Mittags, wenn ich aus der Schule zurück war. Man hatte aber das dringende Bedürfnis als Schüler sich gegenüber den Kunden profilieren zu müssen. Man war zwar nicht unehrlich, aber sagte auch eben nicht die Wahrheit. Man tat auf super seriös, während man eigentlich seine Hausaufgaben hätte machen sollen.

Auf diesem Gebilde bauten die bisherigen Versionen dieser Website alle auf. Deshalb habe ich sie vielleicht auch so selten und so schlecht gepflegt. Schon lange hatte ich das Bedürfnis, alles komplett umzuschmeißen. Aber wie das so ist: Man hat immer etwas wichtigeres zu tun. Zuletzt konnte ich aber meine eigene Website nur noch schwer ertragen. Technik war ok, Layout so naja, aber diese Worte, diese Sätze, die da standen. Arghhhh.

Heute, acht Jahre nach dem Schritt in die Selbstständigkeit, sehe ich viele Dinge grundlegend anders. Ich muss mich nicht mehr vor irgendwem beweisen, ein Verhalten wie ein Vorstandsvorsitzender eines DAX-Unternehmens an den Tag legen und einen auf großer Checker machen. Aber vor allem muss ich nicht jeden Auftrag annehmen. Vielleicht ist das auch der Vorteil, wenn man eigentlich in einem festen Arbeitsverhältnis steht und sich auf die Projekte konzentrieren kann, die einem Spaß machen.

Ich habe das Gefühl: Nie war war es mir wichtiger, ich selbst zu sein. Ob man auf dem richtigen Weg ist, merkt man relativ schnell. Früher war ich tagelang mit dem Schreiben weniger Texte beschäftigt. Weil alles so Bla und Blub war. Die wenigen Texte jetzt, habe ich einfach heruntergeschrieben (wie man bestimmt an meiner Rechtschreibung auch merkt). Endlich habe ich das Gefühl, die Website (und die Selbstständigkeit die dazu gehört) passt zu mir.  Ich kann mich wieder damit identifizieren, ich bin wieder kre8tiv. Ein kompletter Relaunch eben, vor allem in meinem Kopf.

  • Artikel verfasst am um 11:23 Uhr.

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